Tanja Schmitz

Rechtsanwältin

Fachanwältin für Familienrecht

Tätigkeitsschwerpunkte:

  • Familien- und Scheidungsrecht
  • Erbrecht

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(Online- Veröffentlichung von RAin Schmitz)

Wir möchten Ihnen einen kurzen Überblick über das Thema
wie viel Kindesunterhalt muß ich zahlen ?
wie viel Kindesunterhalt steht mir zu ?
geben.
Unsere Informationsbroschüre kann sicherlich einen Anwalt im „Falle eines Falles“ nicht ersetzen. Wir möchten Ihnen einen Überblick über die Grundsätze des Unterhaltsrechts gegenüber Kindern geben.

I. Wer muß wann überhaupt Kindesunterhalt zahlen ?
Beide Elternteile sind verpflichtet, ihrem Kind Unterhalt zu leisten. Derjenige, bei dem das Kind dauerhaft wohnt, leistet den Unterhalt durch „Naturalien“, d.h. der Kühlschrank ist immer gefüllt, die Wäsche wird gewaschen, die Bekleidung wird finanziert etc. Derjenige, bei dem das Kind nicht wohnt, muß Unterhalt in Geld leisten.

II. Wonach bemisst sich die Höhe des Unterhalts ?
In der deutschen Rechtsprechung hat sich die sog. „Düsseldorfer Tabelle“, kurz „DT“, als Maß der Dinge in Sachen Kindesunterhalt herausgebildet. Im Anhang an diese kurze Information finden Sie den Abdruck der Düsseldorfer Tabelle. Zu beachten ist außerdem die „Anlage zu Teil A“, die wir für Sie ebenfalls vervielfältigt haben.

III. Wie errechne ich „meinen“ Unterhalt ?
→ Zunächst muß das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen der letzen 12 Monate ermittelt werden. Einzurechnen sind sämtliche Vermögensvorteile, also nicht nur der regelmäßige Verdienst, sondern auch Weihnachts- und Urlaubsgeld, Vorteile durch einen Dienstwagen oder sonstige Einkünfte.
→ Sodann kann man anhand der 1. Spalte der DT die richtige Einkommensgruppe ermitteln. Verfügt der Unterhaltspflichtige beispielsweise über ein durchschnittliches Nettoeinkommen von € 2.150,00, richtet sich der Unterhalt nach Einkommensgruppe 6.

! Achtung !
Die DT ist ausgelegt für den „Regelfall“, dass der Unterhaltspflichtige an insgesamt drei Personen (meistens zwei Kinder und ein Erwachsener) zahlen muß. Liegt eine Abweichung vor, d.h. es wird mehr oder weniger Personen Unterhalt geschuldet, verschiebt sich auch die Eingruppierung in der DT. Muß der Unterhaltspflichtige an nur zwei Kinder zahlen, wird er automatisch eine Gruppe höher gestuft, muß er an vier Personen zahlen, wird er eine Gruppe herunter gestuft.
→ Je älter die Kinder sind, desto mehr muß gezahlt werden. Die DT enthält vier Altersstufen:
0 – 5 Jahre / 6 – 11 Jahre / 12 – 17 Jahre / ab 18 Jahren

IV. Was passiert mit dem Kindergeld ?
→ Schließlich muß das Kindergeld verrechnet werden. Das Kindergeld wird meistens an denjenigen ausgezahlt, bei dem die Kinder wohnen. Da das Kindergeld aber beiden Elternteilen zugute kommen soll, muß eine Verrechnung stattfinden.
Das Kindergeld beträgt für die ersten drei Kinder z.Zt. monatlich € 154,00, ab dem vierten Kind € 179,00. Von dem zu zahlenden Unterhalt nach der DT wird die Hälfte des Kindergeldes, also € 77,00 bzw. € 89,50, angerechnet. In unserem Beispielsfall (Unterhalt nach Einkommensgruppe 6) sind für ein 13-jähriges Kind € 384,00 geschuldet. Hierauf wird die Hälfte des Kindergeldes, € 77,00 angerechnet, so dass letztendlich nur € 307,00 gezahlt werden müssen.

! Achtung !
Die dargestellte Verrechnungsmethode des Kindergeldes gilt erst ab der Einkommensgruppe 6 der DT. In den Einkommensgruppen 1 bis 5 wird das Kindergeld nur zu einem (teilweise sehr geringen) Bruchteil angerechnet.
Diese abweichende Anrechnungsmethode ergibt sich aus der „Anlage zu Teil A“ der DT. Sie sehen dort beispielsweise, dass bei der Einkommensgruppe 2 bei einem 3-jährigen Kind nur € 21,00 angerechnet werden, bei einem 13-jährigen Kind wird gar kein Kindergeld verrechnet.
Dies führt zu dem (eigentlich ungerechten) Ergebnis, dass die Einkommensgruppen 2 bis 6 praktisch immer denselben Unterhalt leisten müssen, lediglich die Einkommensgruppe 1 ist etwas „preiswerter“.

V. Wie verhält es sich mit volljährigen Kindern ?
Die Berechnung des Kindesunterhalts erwachsener Kinder ist deutlich komplizierter. Es gibt hier zwei Grundprinzipien:
→ Volljährige Kinder sind verpflichtet, für ihren Lebensunterhalt selber zu sorgen.
→ Solange die volljährigen Kinder dazu nicht in der Lage sind (wegen Schule, Studium,
Ausbildung, Bundeswehr, Zivildienst etc.) sind die Eltern finanziell verantwortlich.
Wegen der vielfältigen denkbaren Fallkonstellationen würde es den Rahmen einer kurzen Informationsbroschüre sprengen, wenn wir ausführlich und abstrakt den Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder darstellen würden. Wir beschränken uns auf kurze Beispielsfälle:
1. Der 18-jährige Sohn wohnt bei der Mutter und geht noch zur Schule (12. Klasse). Die Mutter arbeitet nicht, der Vater verdient durchschnittlich € 2.400,00. Neben dem Sohn hat der Vater zwei weitere Kinder mit seiner neuen Ehefrau.
Lösung: Der Kindesunterhalt richtet sich nach Einkommensgruppe 7 der DT. Eine Ab- oder Aufgruppierung erfolgt nicht (Unterhalt ggü. drei Personen). An den Sohn müssen monatlich € 465,00 abzüglich € 77,00 Kindergeld, also € 388,00 gezahlt werden.
2. Die 20-jährige Tochter wohnt und studiert in Leipzig, der Vater wohnt in Köln und verdient monatlich € 3.000,00, die Mutter wohnt in Bonn und verdient monatlich € 1.500,00.
Lösung: Die Besonderheit liegt darin, dass sich der Unterhalt nicht nach der DT richtet, sondern die Tochter eine monatliche Pauschale von insgesamt € 600,00 von beiden Elternteilen zusammen verlangen kann. Da der Vater doppelt so viel verdient wie die Mutter, muß er auch doppelt so viel an die Tochter zahlen. Auf den Vater entfallen also € 400,00 (66%), auf die Mutter € 200,00 (33%).
3. Der 22-jährige Sohn hat zwei Ausbildungen abgebrochen und hat keine Lust, etwas Neues anzufangen. Das Arbeiten sei ihm zu lästig.
Lösung: Grundsätzlich gilt hier der o.g. erste Grundsatz, der Sohn muß für sich selber sorgen. Wer es schuldhaft versäumt, seinen Lebensunterhalt sicher zu stellen, hat auch keinen Unterhaltsanspruch.

Bitte beachten Sie:
Der vorstehende Ratgeber bietet nur Anhaltspunkte und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte wenden Sie sich im Zweifel immer an einen Anwalt, denn insbesondere das Unterhaltsrecht ist kompliziert und enthält einige Fallen.
Die Zahlen basieren auf der neuen Düsseldorfer Tabelle, die ab dem 01.07.2003 gültig ist.
Tanja Schmitz
Rechtsanwältin
Rechtsanwälte Dr. Höser, Dierker & Partner

CategoryFamilienrecht