Tätigkeitsschwerpunkte:

  • Verkehrsrecht
  • Ordnungswidrigkeitenrecht
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(Online-Veröffentlichung von Frau RAin Reuffurth)

Der Verkehrsunfall ist bereits an sich unangenehm. Wenn dann auch noch die Versicherung oder der Gegner nicht zahlen möchte, ist der Ärger groß.

Doch nicht immer hat der Geschädigte Anspruch auf Ersatz der Kosten der Reparatur oder der fiktiven Kosten aus einem Kostenvoranschlag. Denn der Geschädigte kann immer nur die Kosten der bestimmten Art von Werkstatt geltend machen, bei der er das Fahrzeug regelmäßig warten lässt. Hat der Geschädigte also sein Fahrzeug mehrere Male nicht mehr in einer Fachwerkstatt reparieren oder warten lassen, kann er nur die geringeren Reparaturkosten ersetzt verlangen, die eine freie Werkstatt berechnen würde. Nach der Rechtsprechung, z.B. AG Neumarkt i.d.OPf., Urteil vom 24.05.2018 – 1 C 1/18 kann er nur die Schadenspositionen oder Aufwendungen geltend machen, die ein wirtschaftlich denkender Geschädigter vernünftigerweise für erforderlich halten durfte. Denkt der Geschädigte also, dass günstige Reparaturen und Wartungen in einer freien Werkstatt für sein Fahrzeug ausreichend sind, muss auch der Schädiger im Schadensfall nicht die Reparatur in einer Vertragswerkstatt bezahlen.

Es gibt aber auch Fälle, in denen sich der Geschädigte nicht auf die Reparatur in einer freien Werkstatt verweisen lassen muss. Das kann insbesondere dann der Fall sein, wenn der Schadensumfang, das Know-how einer Fachwerkstatt oder der Wiederverkaufswert eine Rolle spielen: handelt es sich also um ein seltenes oder hochwertiges Fahrzeug, darf der Geschädigte in der Regel auch die Kosten einer Fachwerkstatt ansetzen. Das gleiche kann gelten, wenn es sich um größere Schäden handelt. Dennoch ist Vorsicht geboten: kann der Schädiger beweisen, dass der Qualitätsstandard einer freien Werkstatt dem der Vertragswerkstatt entspricht, können nur die Kosten der freien Werkstatt verlangt werden, so der BGH im Urteil vom 20.10.2009 – VI ZR 53/09; ebenso AG Trier, Urteil vom 19.02.2010 – 32 C 500/09. Auch wenn die Erstzulassung nicht mehr als drei Jahre zurückliegt, dürfen die Kosten einer Fachwerkstatt geltend gemacht werden.

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